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Warum in Rösrath manchmal auch am Tag die Straßenlaternen brennen

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(vom 19.12.2018)

Rund 3.700 Leuchtstellen und ein Netz mit einer Länge von 184 Kilometern Erdverkabelung und 4,5 Kilometern Freileitung...

... – das ist der Umfang der Straßenbeleuchtung in Rösrath, die die StadtWerke Rösrath am 1. Januar 2016 vom vorherigen Betreiber, der RWE, übernommen haben.
Seitdem sind die StadtWerke für Betrieb, Wartung und Instandhaltung und für die Reparatur der Straßenlaternen verantwortlich. Eine Aufgabe, die nicht immer einfach ist – auch weil sie sich im Spannungsverhältnis zwischen Verkehrssicherungspflicht, Ansprüchen und Wünschen der Bürgerinnen und Bürger einerseits und der Kostenfrage und dem Umweltschutz andererseits bewegt.

Straßenbeleuchtung – keine Erfindung der Neuzeit

Schon in der Antike gab es Städte, die in der Dunkelheit zumindest teilweise beleuchtet wurden. Im Mittelalter behalf man sich mit Kienspänen oder Öllampen, um Gassen und Straßen hell zu machen. Bis in die Neuzeit waren Öl und Petroleum die Mittel der Wahl für die Straßenbeleuchtung. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Öl nach und nach durch Gas ersetzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Städte in Deutschland mit elektrischer Straßenbeleuchtung ausgerüstet. Gaslicht war aber nach wie vor gefragt und wurde von vielen Städten bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bevorzugt verwendet.

Mit der Einführung von neuen Leuchtmitteln – erst Leuchtstofflampen, später Quecksilberdampf- und Natriumdampf-Hochdrucklampen – setzte sich jedoch die elektrische Straßenbeleuchtung mehr und mehr durch.

Mittlerweile hat eine neue Generation von Leuchtmitteln in der Straßenbeleuchtung Einzug gehalten. Seit einigen Jahren werden zunehmend LED-Lampen eingesetzt. Diese haben den Vorteil, dass sie effizienter und kostengünstiger sind. Auch in Rösrath werden die Straßenlaternen nach und nach auf LED umgerüstet.

Die Kommunen in der Pflicht

Die Beleuchtung öffentlicher Straßen, Wege und Plätze ist in Deutschland Aufgabe der Städte und Gemeinden. Sie sind im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge verpflichtet, für eine gefahrlose Teilnahme aller am öffentlichen Verkehr zu sorgen. In Rösrath sind die StadtWerke unter anderem auch für diese Aufgabe der Daseinsvorsorge zuständig.

Aus der so genannten Verkehrssicherungspflicht ergibt sich, dass besonders gefährdete Stellen, beispielsweise gefährliche Straßenkreuzungen und -einmündungen, Fußgängerüberwege, scharfe Kurven, Baustellen, Gefällstrecken, unvorhersehbare Straßenverengungen oder Verkehrsinseln, so beleuchtet werden müssen, dass sie auch bei schlechter Sicht sicher passiert werden können. Eine rechtliche Verpflichtung in Form eines Gesetzes, das vorschreibt, wo und wie viele Straßenlaternen in einer Stadt stehen müssen, gibt es allerdings nicht.

Die technischen Anforderungen an die Straßenbeleuchtung, beispielsweise die Abstände zwischen einzelnen Straßenlaternen und die jeweils erforderlichen Beleuchtungsstärken, sind in der Europäischen Norm EN 13201 niedergeschrieben, die im März 2011 die in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt gültige DIN-Norm DIN 5044-1 abgelöst hat. Diese Norm ist allerdings nicht rechtsverbindlich, sie bietet lediglich eine Orientierung.

Da eine gesetzlich verbindliche Regelung für die Straßenbeleuchtung fehlt und die Kommunen bzw. die kommunalen Unternehmen die Ausstattung mit Straßenlaternen in ihrer Stadt von den jeweiligen Gegebenheiten abhängig machen, variiert die Anzahl der Straßenlampen von Stadt zu Stadt, von Gemeinde zu Gemeinde stark. Seriösen Schätzungen zufolge liegt die durchschnittliche Anzahl je 1.000 Einwohner bei 111 Straßenlaternen. Mit seinen rund 3.700 Leuchtstellen liegt Rösrath somit deutlich über diesem Durchschnitt. Auf je 1.000 Rösratherinnen und Rösrather kommen hier sogar 132 Lichtpunkte.

Da geht den StadtWerken ein Licht auf!

Vor gut vier Jahren, im November 2014, wurde die Konzession für das Rösrather Stromnetz an die StadtWerke vergeben. Im Zusammenhang mit der Übernahme des Stromnetzes haben die StadtWerke die Straßenbeleuchtung vom Altkonzessionär, der RWE Deutschland GmbH, gekauft und mit Wirksamwerden des Kaufes Anfang 2016 auch die damit verbundenen Aufgaben übernommen.

Dazu gehört im Wesentlichen der Betrieb der Straßenbeleuchtung, also dass die Straßenlaternen zu bestimmten Zeitpunkten verlässlich an- und wieder ausgehen. In Rösrath erfolgt das übrigens automatisiert über ein Rundsteuersignal, das über die astronomische Uhr und einen Lichtsensor gesteuert wird.

Weitere wichtige Aufgaben sind Entstörung, Wartung und Reinigung und die Planung neuer Straßenbeleuchtungen beispielsweise in Neubaugebieten oder im Zusammenhang mit Straßenerneuerungsmaßnahmen.

Wenn´s mal dunkel bleibt

Auch Straßenlaternen sind trotz regelmäßiger Wartung nicht davor gefeit, kaputt zu gehen. Fällt eine einzelne Straßenlaterne oder sogar ein ganzer Straßenzug aus, organisieren die StadtWerke die Reparatur. Damit das reibungslos funktionieren kann, sind die StadtWerke allerdings auf die Mithilfe der Rösratherinnen und Rösrather angewiesen. Wer eine defekte Straßenlaterne entdeckt, kann dies den StadtWerken entweder über ein Online-Formular, telefonisch oder per Email melden – am besten mit einer genauen Beschreibung, um welche Laterne es sich handelt, wo sie steht und welche Leuchtstellennummer sie hat.

Kleinere Störungen werden ein Mal wöchentlich gesammelt an einen Dienstleister übergeben, der im Auftrag der StadtWerke immer dienstags defekte Straßenlaternen repariert. Umfangreichere Störungen müssen spätestens am nächsten Werktag behoben werden. Auch hierfür wird ein Dienstleister beauftragt.

In seltenen Fällen kann es auch mal vorkommen, dass trotz mehrfacher Reparaturversuche die Ursache für den Fehler nicht sofort gefunden werden kann. Dann kann ein Straßenzug auch schon einmal länger als einen Tag dunkel bleiben. Ein weiteres Problem, vor dem alle Betreiber von Straßenbeleuchtung in Deutschland stehen, sind teils lange Wartezeiten bei der Lieferung von Ersatzteilen durch die Hersteller. Auch das kann dazu führen, dass eine defekte Lampe nicht sofort repariert wird.

Immer wieder erreichen die StadtWerke auch Meldungen besorgter Rösratherinnen und Rösrather, dass die Straßenlaternen tagsüber an sind, obwohl die Lichtverhältnisse das eigentlich nicht erforderlich machen. Das hat einen einfachen Grund: Reparatur- und Wartungsarbeiten werden in aller Regel am Tag und bei entsprechender Helligkeit durchgeführt. Ist eine Störungsmeldung nicht eindeutig, müssen die Installateure erst einmal den gesamten Straßenzug anschalten, um sehen zu können, welche Laterne defekt ist. Auch während der regelmäßigen Wartungsarbeiten müssen schon mal ganze Abschnitte erleuchtet werden, damit sie geprüft werden können. Und dann kann es natürlich auch einmal passieren, dass ein Rundsteuerempfänger defekt ist und der betroffene Bereich morgens nicht automatisch ausgeschaltet wird.

Straßenbeleuchtung der Zukunft

Straßenlaternen verbrauchen viel Energie und kosten ihren Betreiber daher viel Geld. Die nächtliche Beleuchtung kann außerdem Folgen für die Umwelt haben. Die so genannte „Lichtverschmutzung“, die in Ballungsräumen besonders groß ist, stellt für viele nachtaktive Tiere eine Gefahr dar. So kann es passieren, dass Tiere durch das künstliche Licht in ihrer Orientierungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Auch die Nahrungsaufnahme, die Fortpflanzung und das Wander- und Kommunikationsverhalten von Tieren können dadurch gestört werden. Insekten werden zudem oft von künstlichen Lichtquellen angelockt und verenden dort.

Alle diese Aspekte berücksichtigen die StadtWerke Rösrath bei ihren Planungen, die Straßenbeleuchtung weiterzuentwickeln und zukunftssicher zu machen, wie Michael Rickert, Technischer Leiter, erklärt: „Die Zukunft der Straßenbeleuchtung ist smart. Der Vorteil dieser Technologie, die wir auch in Rösrath jetzt nach und nach verbauen, ist, dass wir dann in der Lage sind, mit jeder einzelnen Leuchte per Datenfernübertragung zu kommunizieren. Wir können dann beispielsweise einen Dimmkalender für verkehrsschwache Zeiten hinterlegen. Damit können wir zum einen Energie und Kosten sparen, zum anderen aber auch viel für die Umwelt tun, weil wir die Lichtimmission damit so gering wie möglich halten.“

Außerdem werden die alten Leuchten in Rösrath Schritt für Schritt durch LED-Leuchten ersetzt, die in einem Farbspektrum strahlen, das insektenfreundlich ist, und nur so viel und so weit Licht abgeben, wie es für die Verkehrssicherungspflicht erforderlich ist. Auch das trägt dazu bei, hohe Energiekosten zu senken und die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

„Aktuell haben wir in Rösrath noch ein sehr uneinheitliches Bild, was unsere Straßenbeleuchtung angeht. In der Vergangenheit sind unterschiedliche Mast- und Leuchtentypen verbaut worden“, so Michael Rickert. „Das wollen wir ändern. Unser Ziel ist es deshalb auch, unsere Straßenbeleuchtung zu standardisieren und zu vereinheitlichen.“

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