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Friedhöfe im Wandel der Zeit

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(vom 26.09.2018)

Seit jeher haben Menschen das Bedürfnis, ihre Toten an einem extra hierfür bestimmten Ort zu bestatten.

Bereits in der Steinzeit gab es spezielle Begräbnisplätze, in der Antike entwickelte sich dann eine regelrechte Bestattungskultur. Eindrucksvolles Beispiel hierfür ist der Totenkult, der in Ägypten entstand und mit den Pyramiden für die Pharaonen einen sichtbaren Ausdruck fand.
Friedhöfe, wie wir sie heute kennen, entstanden nach der Christianisierung zunächst als so genannte Kirchhöfe, die in unmittelbarer Nähe zum Kirchengebäude errichtet wurden. Im 19. Jahrhundert vollzog sich ein Wandel weg vom Kirchhof hin zum Friedhof, einem Ort, an dem die Toten ihre Ruhe finden und der nicht mehr zwangsläufig direkt neben der Kirche gelegen sein musste.

Heutzutage sind Verwaltung und Betrieb von Friedhöfen gesetzlich geregelt. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um Friedhöfe in kommunaler Trägerschaft. Daneben gibt es kirchliche Friedhöfe der evangelischen und katholischen Gemeinden sowie jüdische Friedhöfe.

In der Friedhofssatzung, die vom jeweiligen Friedhofsträger erlassen wird, sind unter anderem Öffnungszeiten, Verhaltensregeln auf dem Friedhof sowie Nutzungsrechte und Ruhefristen von Grabstätten geregelt. Dabei gibt das Friedhofs- und Bestattungsrecht des Bundeslandes, in dem der Friedhof liegt, den rechtlichen Rahmen für die Satzung vor.

Friedhöfe in Rösrath

Die vier Friedhöfe in Rösrath – Sommerberg, Volberg, Rösrath und Kleineichen – sind kommunale Friedhöfe und werden seit Gründung der StadtWerke Rösrath AöR im Jahr 2005 von dieser verwaltet.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Rösrather Friedhöfe sind in der Satzung des Kommunalunternehmens StadtWerke Rösrath AöR über das Friedhofswesen in der Stadt Rösrath (Friedhofssatzung) vom 04.09.2018 geregelt. In der Friedhofsgebührensatzung ist festgelegt, welche Gebühren jeweils zu zahlen sind.

Neue Wege in der Bestattungskultur – auch in Rösrath

Seit einigen Jahren vollzieht sich ein Wandel in der Bestattungskultur, der Friedhöfe und ihre Träger vor neue Herausforderungen stellt. Fand vor gut 20 Jahren die überwiegende Zahl der Bestattungen noch in Sarggräbern statt, so wählen heute immer mehr Menschen Grabarten, die möglichst wenig oder gar keine Pflege erfordern.

Einer im Frühjahr 2016 von Aeternitas, einer bundesweiten Verbraucherinitiative für Bestattungskultur, durchgeführten Umfrage zufolge möchte nur noch jeder vierte Bundesbürger ein klassisches Sarggrab. Einäscherungen und damit verbundene pflegefreie Beisetzungsmöglichkeiten gewinnen hingegen weiter an Bedeutung.
Während im Jahr 2004 noch 39 Prozent der Befragten für die eigene Bestattung ein solches Sarggrab angaben, waren es in 2016 nur noch 24 Prozent. Für ein klassisches Urnengrab mit Pflege durch die Angehörigen würden sich 19 Prozent entscheiden. Deutlich zugenommen hat hingegen das Interesse an so genannten pflegefreien Grabangeboten. Immerhin 47 Prozent geben diesen den Vorrang. Drei Jahre zuvor waren es noch 39 Prozent. Zu diesen pflegefreien Angeboten zählen Bestattungen in Bestattungswäldern, Seebestattungen und Ascheverstreuungen sowie Gemeinschaftsgrabstätten, pflegefreie Urnen- und Sargwahlgräber und Baumbestattungen auf Friedhöfen. Für die meisten dieser pflegefreien Grabarten ist eine Einäscherung Voraussetzung.

Die Gründe für diesen Trend liegen auf der Hand. Zum einen möchten immer mehr Menschen ihre Angehörigen nicht mit aufwändiger Grabpflege und hohen Begräbniskosten belasten. Zum anderen führt der demografische Wandel dazu, dass die Hinterbliebenen immer älter werden, immer mehr Menschen keine Angehörigen haben oder diese an einem weit entfernten Ort leben.

Auch in Rösrath ist diese Entwicklung schon seit einigen Jahren spürbar, wie Janine Picht, bei den StadtWerken zuständig für das Friedhofswesen, berichtet: „Früher lag das Verhältnis Sarggrab zu Urnengrab bei 80 zu 20. Heute ist es genau umgekehrt. Die Nachfrage nach Grabangeboten, die möglichst wenig oder gar keine Pflege benötigen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Immer mehr Menschen fragen bei mir an, ob wir in Rösrath beispielsweise auch Baumgräber anbieten. Oder Urnen-Gemeinschaftsgrabstätten, bei denen die Pflege durch Angehörige ebenfalls entfällt.“

Die StadtWerke Rösrath haben diese Entwicklung aufgegriffen und schon in 2014 damit begonnen, ihre Friedhofskonzeption grundlegend zu überarbeiten. Ein weiterer Grund hierfür: Auch der Markt im Bestattungswesen hat sich verändert. Die klassischen Friedhöfe haben Konkurrenz bekommen – durch Friedwälder, Kolumbarien oder privat geführte Bestattungsgärten. Und sie müssen daher mit entsprechenden Angeboten auf diese Konkurrenz reagieren. Dazu kommt, dass auf Friedhöfen immer mehr so genannte Überhangflächen entstehen, weil der sinkende Bedarf an Flächen für Sarggräber dazu führt, dass die Friedhöfe nicht mehr ausgelastet sind und Flächen frei bleiben. Das betrifft in Rösrath beispielsweise die Friedhöfe Volberg und Sommerberg. Auch für diese Flächen müssen neue Konzepte entwickelt werden.

Neue Friedhofskonzeption mit zusätzlichen Angeboten

Nach mehrjähriger intensiver Arbeit haben die StadtWerke im Frühsommer 2018 ihre neue Friedhofskonzeption fertiggestellt. Die daraus folgende neue Friedhofssatzung und die neue Friedhofsgebührensatzung wurden vom Verwaltungsrat der StadtWerke in seiner Sitzung im Juni verabschiedet. Beide Satzungen traten zum 15. September 2018 in Kraft. Ihre Inhalte wurden der breiten Öffentlichkeit bei einer Informationsveranstaltung auf dem Friedhof Sommerberg am Tag des Friedhofes und in der Presse vorgestellt und trafen auf reges Interesse.

Kernstück der neuen Friedhofssatzung sind verschiedene pflegefreie Grabarten, die neben den herkömmlichen Grabangeboten wie Sarg- und Urnengräbern bestehen. Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten auf den Rösrather Friedhöfen und da nicht alle vier Friedhöfe gleichermaßen über ein entsprechendes Platzangebot verfügen, sind allerdings nicht alle neuen Angebote auch auf allen Friedhöfen wählbar. Lediglich auf dem Friedhof Sommerberg stehen alle in der Friedhofssatzung festgelegten Grabangebote zur Verfügung, auf den anderen Friedhöfen nur Urnen-Gemeinschaftsgräber.

Pflegefreie Sarg- und Urnen-Wahlgräber gibt es ausschließlich auf dem Friedhof Sommerberg. Bei beiden Grabangeboten erfolgt die Pflege durch die StadtWerke Rösrath, die Angehörigen haben keinen Einfluss auf die Gestaltung. In den an den Kopfseiten angelegten Pflanzstreifen kann allerdings auf Kosten des Nutzungsberechtigten ein selbst ausgewähltes, individuelles Grabmal aufgestellt werden, das den in der Satzung niedergelegten Abmessungen entsprechen muss.

Ebenfalls nur auf dem Friedhof Sommerberg sind zudem Baumbestattungen von Urnen möglich. Auf einem von den StadtWerken im Boden angebrachten Stein können auf Wunsch der Name des Verstorbenen sowie sein Geburts- und Sterbedatum eingraviert werden.

Urnen-Gemeinschaftsgrabanlagen finden sich auf allen vier Rösrather Friedhöfen. Die Gestaltung unterscheidet sich jedoch erheblich. Auf dem Friedhof Sommerberg wurde dieses Grabangebot in Form eines großen Beetes angelegt. In Kleineichen entstand ein Hochbeet, in Rösrath sind die Gemeinschaftsgrabanlagen mit Grauwacke eingefasst, auf dem Friedhof Volberg mit Corten-Stahl. Jede Grabanlage hat damit ihren ganz eigenen Charme und fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des jeweiligen Friedhofes ein.

Auch bei diesen Grabangeboten sind ausschließlich die StadtWerke für die Pflege zuständig. Im Rahmen der jeweiligen Gestaltungsvorgaben können auf Wunsch Namensschilder angebracht werden.

Positive Resonanz auf neue Angebote

Dass die StadtWerke Rösrath mit ihrer neuen Friedhofskonzeption und den zusätzlichen Angeboten die richtige Antwort auf die veränderte Nachfrage gefunden haben, beweisen die zahlreichen Rückmeldungen, die seit der Veröffentlichung eingehen. „Ich bekomme sehr viel positives Feedback“, so Janine Picht. „Zahlreiche Menschen interessieren sich für unsere neuen Angebote. Die Baumgräber sind dabei ganz besonders gefragt. Wir haben schon einige Termine mit Interessenten vereinbart und sogar schon Baumgrabstätten verkauft.“

Und Janine Picht stellt noch eine weitere Entwicklung fest: „Immer mehr Menschen interessieren sich für eine Vorsorge im Bestattungsfall. Sie wollen zu Lebzeiten ihre Beerdigung regeln, beispielsweise eine Grabstätte selber auswählen und festlegen, wie sie beigesetzt werden möchten. Auch darauf können wir jetzt besser eingehen.“

Wer sich für eine Grabstätte auf einem der Rösrather Friedhöfe interessiert, kann sich in einem persönlichen Gespräch bei der Wahl der richtigen Grabstätte beraten lassen. Einen Termin machen Interessierte unter Telefon (02205) 9250 - 587.

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