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SWR-Verwaltungsrat und Stadtrat stellten Weichen für Übernahme und Generalsanierung des Freibades Hoffnungsthal durch die StadtWerke Rösrath

(vom 12.12.2006)

Breite Zustimmung im Verwaltungsrat der StadtWerke fand das Konzept des Vorstandes zur Generalsanierung des Freibades Hoffnungsthal. Mit der Veranschlagung entsprechender Investitionsmittel im Wirtschaftsplan 2007 des Unternehmens stellte er zugleich die Weichen für die zum 1.1.2007 erfolgende Übernahme des Bades von der Stadt Rösrath, die der Stadtrat in seiner Sitzung am 18.12.2006 zwischenzeitlich abschließend entschieden hat.

Leitlinie des Sanierungskonzept ist zunächst eine nachhaltige bauliche und technische Ertüchtigung unter größtmöglicher Ausnutzung noch verwertbarer Bausubstanz. Damit wird der Bestand des Bades als attraktives Sport- und Erholungsangebot für die Rösrather Bevölkerung langfristig gesichert. Darüber hinaus sollen für das historisch verwurzelte Freibad Hoffnungsthal vorhandene Alleinstellungsmerkmale wiederbelebt und weiter betont werden, um seinen früheren Status, als eine auch überörtlich bekannte und empfehlenswerte Freibadanlage, zurückzugewinnen.

Das in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro b/a blass architekten aus Euskirchen entwickelte Konzept sieht im einzelnen eine schrittweise Generalsanierung des Freibades über insgesamt 3 Bauabschnitte vor. Darüber hinaus verbleiben als längerfristige Optionen weitere Entwicklungspotenziale für das Badgelände.

Das Sanierungskonzept in visualisierter Form finden Sie hier in einem Exposé des Büros b/a blass architketen als PDF-Datei zum Herunterladen.


1. Bauabschnitt
Im ersten Bauabschnitt sollen die sanierungstechnisch zwingend notwendigen Arbeiten unter Berücksichtigung / Wahrung der architektonischen Gesamtgestaltung der Anlage durchgeführt werden. Hierzu zählt die Sanierung der Beckenlandschaft (Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken), des Technikgebäudes sowie der gesamten Wasseraufbereitungstechnik.

Die Erneuerung der abgängigen Beckenanlage aus dem Jahre 1966 erfolgt durch den Einsatz des langlebigen Werkstoffes Edelstahl. Unter Nutzung der vorhandenen Bausubstanz werden Edelstahl-Konstruktionen in die alten Beckenanlagen gestellt. Diese Ausführungsart ermöglicht eine kurze Bauzeit und bringt insbesondere weitere Vorteile in der späteren Unterhaltung der Beckenanlagen.

Der Grundgedanke zur Ausgestaltung der Becken basiert auf dem Ansatz großzügiger bzw. „freier" Wasserflächen. Der Anreiz für Kinder und Jugendliche zum „freien Spielen" soll in der heutigen Form erhalten bleiben. Aus diesem Grunde wird das derzeitige Wasserflächenangebot unverändert beibehalten und die Ausstattung der Becken mit Festeinbauten auf ein Mindestmaß reduziert. Die bestehenden, eher minimalistisch inspirierten Beckengeometrien von Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken sollen erhalten bleiben, da sie in einem engen Bezug zur geradlinigen Gebäudearchitektur stehen. Die jeweiligen Wasserspiegel werden zukünftig identisch mit dem Beckenumgangniveau angeordnet, wodurch ein direkter Blickkontakt von der Liegewiese auf die Wasserflächen ermöglicht wird.

Wassertiefen im 50-Meter-Schwimmerbecken von 1,36m bis 2,20m und einer Wasserfläche von 860 m² bieten insbesondere zu hochfrequentierten Zeiten sowohl den sogenannten Stehschwimmern als auch den ambitionierten Bahnenschwimmern auf 6 Bahnen ausreichende Flächen zum Schwimmen und Verweilen. Startblöcke werden zukünftig lediglich an der „tiefen" Stirnseite des Schwimmerbeckens installiert. Die Sprungturmanlage mit 1m/3m-Brett ist alters- und konstruktionsbedingt zu erneuern. Neben den bekannten Leitereinstiegen erhält das Schwimmerbecken zusätzlich eine Einstiegs-/ Ausstiegsmöglichkeit über eine sogenannte Wassergewöhnungstreppe. Somit wird die Erschließung der „Schwimmer-Badeplatte" für ältere und behinderte Badegäste wesentlich vereinfacht.

Der Zugang zum Nichtschwimmerbecken mit Wassertiefen zwischen 0,60m und 1,35m und einer Wasserfläche von 620 m² erfolgt über großzügige Strand- bzw. Luftsprudelstufen, die auch zum Verweilen am Beckenrand einladen sollen. Dieses Gestaltungselement wird auch durch die seitliche Anlage eines Liegedecks aus Bankirai verstärkt. An Attraktions- bzw. Überraschungselementen ist der Einbau eines Wasserspeiers und eines Unterwassergeysirs geplant. Bei der Auswahl der Attraktionen wurde darauf geachtet, dass der freie Spieltrieb der Badegäste nicht behindert wird. Bodenhülsen für temporäre Spielaktionen werden ebenfalls planerisch berücksichtigt. Hauptattraktion wird jedoch die Breitrutsche (3m breit und 12m lang) sein, die sich harmonisch an die vorhandene Topographie des Geländes anlehnen wird. Der Aufgang zur Rutsche erfolgt über eine Treppenkonstruktion und ist so gewählt, dass ein störungsfreier Rutschenbetrieb ermöglicht wird.

Die Konzeption der Beckenumgänge orientiert sich an die Beckenlandschaft, wodurch die strenge Geometrie der Anlage zusätzlich betont wird. Bisher abschirmende Pflanzstreifen und Durchschreitebecken werden entfernt, um dem Grundsatz der barrierefreien Erschließung gerecht zu werden. Zusätzlich wird hierdurch die Aufenthaltszone am Beckenrand vergrößert und andere Nutzungskonzepte (Einbeziehung von Möblierungselementen) möglich gemacht. Strategisch platzierte „Duschinseln" sorgen nunmehr für die notwendige Hygiene als auch für die Abkühlung an heißen Tagen. Die Auswahl des Beckenumgang-Materials muss noch erfolgen. Die Farbwahl wird sich an naturfarbenen Tönen, hier vorzugsweise sandfarben, orientieren. Die bisher unterirdisch begehbaren Beckenumgänge sollen verfüllt werden, um zukünftige Instandhaltungs- / Abdichtungsarbeiten der Betonkonstruktion auf ein Minimum zu reduzieren.

Das Technikgebäude soll in seiner heutigen Form erhalten bleiben. Es wurde seinerzeit in zwei Bauabschnitten errichtet: 1966 mit dem Neubau des Bades und 1978/1979 mit der notwendigen Erweiterung zur damaligen Unterbringung des Gasheizkessels sowie als Raumreserve für zusätzliche Filterkessel. Neben notwendigen Maßnahmen zur Substanzerhaltung ist insbesondere der Zugang zum Technikkeller neu zu platzieren. Hier ist ein seitlicher Eingang mit einem sich anschließenden Erschließungspodest (Metallkonstruktion) innerhalb des Gebäudes geplant. Ein zweiter, neuer Eingang ermöglicht gleichzeitig ein gefahrloses Arbeiten im Bereich der zu sanierenden Filterbehälter. Der Transport von schweren Anlagenteilen in den Technikkeller wird mit dieser Lösung erleichtert. Der vorgelagerte, sich zur Badeplatte orientierende Raum des Schwimmmeisters wird durch den Rückbau eines Sanitärraumes und der Abstiegsleiter zum Technikkeller sowie durch Rückbau des Elektroanschlussraumes vergrößert. Hierdurch wird die räumliche Situation entspannt. Eine „Sanitätsnische" kann nun mit integriert werden. Auf dem Dach des Technikgebäudes ist eine Aufsichtsplattform für die Badaufsicht angedacht. Hierzu wird in einem Teilbereich ein entsprechender Dachbelag vorgesehen. Im Technikkeller selbst erfolgt die Unterbringung der kompletten technischen Gebäudeausrüstung. Zusätzlich wird der Einbau eines Personal-WC´s vorgesehen. Die Farb- und Materialwahl der Gebäudehülle wird sich am zweiten Bauabschnitt des Umkleidegebäudes orientieren. Hier ist als Bekleidungsmaterial Lärchenholz geplant, welches in einem Dialog mit ziegelroten Putzflächen steht.

Die technische Gebäudeausrüstung im Technikgebäude, hier insbesondere die Badewasseraufbereitung, wird komplett erneuert, um den hygienischen Anforderungen einer einwandfreien Badewasserqualität nachzukommen. Lediglich die vorhandenen Filterbehälter und die Schwallwasserbehälter sollen Wiederverwendung finden. Es ist insgesamt eine bedarfsgerechte Anlagenauslegung in Anlehnung an DIN 19643 geplant. Die mechanische Reinigung des Badewassers soll dabei über sogenannte Mehrschichtfilter erfolgen. Für die Desinfektion des Beckenwassers ist Chlorgas vorgesehen. Art und Weise der Wassererwärmung ist noch nicht abschließend geklärt. Die Festlegung erfolgt im Zuge der weiteren Planungen, da derzeit noch alle Möglichkeiten des Einsatzes von alternativen Energien, hier insbesondere der Einsatz von Biogas in Kombination mit einem Blockheizkraftwerk, geprüft werden.


Insgesamt stellt somit der 1. Bauabschnitt der Freibadsanierung / -modernisierung ein nachhaltiges und in sich abgeschlossenes Konzept dar. Schnittstellen zu vorhandenen Freibadeinrichtungen können mit überschaubaren Mitteln verarbeitet werden.


2. Bauabschnitt
Der zweite Bauabschnitt orientiert sich hauptsächlich an der Sanierung und Modernisierung des Funktionsgebäudes sowie zugehöriger Nebenanlagen. Das Gebäude wurde in der Zeit von 1981 bis 1983 erbaut. Der Baukörper wurde derart in die westliche Hanglage des Grundstückes platziert, dass praktisch durch die Nutzungsmöglichkeiten des Daches keine Liegefläche der Gesamtanlage verloren geht.

Im Zuge der Sanierung soll das Raumprogramm des Funktionsriegels den zeitgemäßen Nutzerbedürfnissen angepasst werden. Neben der Neuordnung des Eingangsbereiches mit personenbesetztem Kassenraum, neuer Drehkreuzanlage mit Kassenautomat sowie einem kombiniertem Personal- / Sanitätstrakt sind ein Raum für die technische Gebäudeausrüstung als auch verschiedene Lagerräume geplant. Die geschlechtergetrennten Umkleide-/ Sanitärbereiche werden komplett neu aufgebaut und mit modernen Einrichtungsgegenständen ausgestattet, um insbesondere den heutigen hygienischen Anforderungen in diesem sensiblen Bereich gerecht zu werden. Hierzu gehört auch die Erneuerung der kompletten Bodenbeläge im Funktionsriegel. Ein Raum ist zusätzlich als kombinierter Sanitärraum für Kleinkinder und Behinderte vorgesehen.

Die Erschließung der Räume ist durch einen exakt nach Süden ausgerichteten Arkadengang geplant. Unter Ausnutzung der Geländeform soll sich eine großzügige Terrassenebene anschließen. Sie stellt einen gelungenen Übergang zwischen Architektur und Natur dar und bietet angenehme Möglichkeiten des Verweilens mit direktem Blick auf die Badeplatte.

Die zur Gastronomie zugehörigen Terrassen sollen durch Natursteinmauern (Gabionen) begrenzt werden. Die Beschattung ist ähnlich der alten Tradition südlicher Länder mit Dachplatanen geplant. Der Gastronomiebereich soll ebenfalls kernsaniert und neu aufgebaut werden. Hauptveränderungen sind der Rückbau der Kioskausgabe, die Verlegung und Erweiterung der Essenszubereitung sowie die Anordnung eines neuen Servicebereiches für die Badegäste. Zusätzlich sind geschlechtergetrennte WC`s und ein separater Eingang geplant, um den Bereich auch außerhalb der Badesaison einer Nutzung zuführen zu können. Der Übergang von Innen- zu Außengastronomie wird durch das dreiseitige Öffnen der begrenzenden Glasflächen ermöglicht.

Naturnahe Materialwahl sind auch bei der Modernisierung und Sanierung des Funktionsriegels erste Wahl. Neben Terrassenflächen und Sitzstufen aus Muschelkalk sind für die Gebäudefassade Lärchenholzbekleidung und ziegelrote Putzflächen geplant, einem idealen Komplementärfarbton zum Grün der Pflanzen.


Das eng an die Natur geschmiegte Gebäude hat sich mit den flächigen Terrassen einen typisch mediterranen Charakter bewahrt. Die unterschiedliche Abfolge von Terrassen einschl. Dachterrasse unterstreicht die Theatralik der Anlage und gibt auf jeder Stufe einen neuen Ausblick auf die Badeplatte frei.


3. Bauabschnitt
Der heutige Kleinkinderbereich befindet sich seit 1937 unterhalb des Schwimmerbeckens und wurde letztmalig 1999 mit dem AQUA DROLICS Bausystem aus glasfaserverstärkten Polyester-Badeelementen umgebaut. Dieser Anlagenteil wird von den kleinen Badegästen derzeit gut angenommen und soll deshalb erst zu einem späteren Zeitpunkt erneuert werden.

Im Gegensatz zum heutigen Bestand wird zukünftig für den Kleinkinderbereich ein in die Landschaft eingebundenes, sehr natürliches Konzept verfolgt. Die Gestaltungsergebnisse sollen nicht durch vordergründig bunte Geräteinstallationen geprägt sein. Der Bereich soll deshalb eine kindgerechte Neugestaltung erfahren, wobei den Kindern eine Fülle von Spannung, Spaß und neuen Reizen geboten werden kann.

Der Wasserspielbereich, eine organisch geformte Kleinpflasterfläche, hat eine Größe von 100 m² und eine Wassertiefe von 0 bis 35 cm. Die Lebendigkeit der Anlage wird durch höhengestaffelte Wassermulden mit Pumpenbetrieb und einem zugehörigen Quellbecken erzeugt. Ergänzt wird der Bereich durch ein hölzernes Piratenschiff, welches Anlass zum phantasievollen Spielen gibt. Der in sich geschlossene Funktionsbereich wird durch eine pergola-überspannte Aufenthaltszone für die Eltern abgegrenzt.


Entwicklungspotenziale
Neben den beschriebenen Ausbaustufen sollen bei weiteren Überlegungen zur Freibadplanung / -gestaltung folgende Entwicklungspotenziale erhalten bleiben:

  • Einbeziehung des Nordwest-Hanges zur Anlage von begrünten Liegeterrassen
  • Optionsflächen im westlichen Grundstücksbereich für ergänzende
    Komplementärnutzungen zur Freibadanlage sowie die Gestaltung der
    Parkplatzflächen in Abhängigkeit von einer weiteren städtebaulichen Entwicklung im
    Ortskern Hoffnungsthal - Rotdornallee

Insgesamt gilt es jedoch, die wunderschöne Lage und die Besonderheit dieser Freibadanlage zu erkennen und für sich zu nutzen. Bereits die Vergangenheit der Anlage hat gezeigt, dass der Gesamtplan auf eher geometrische Formen basiert: Sichtachsen, Treppen, Mauern und Terrassen halten sich an einen festen Plan. Diese Idee ist unter Einbindung neuer, potentieller Erschließungsflächen wieder aufzugreifen. Hier bietet sich insbesondere der o.g. Ausbau des Nordwest-Hanges an. Das weite Panaroma, das sich vor den Augen ausbreitet sowie der spektakuläre Blick auf die Badeplatte lassen den Badegast die Freuden des Lebens genießen. Zur Sicherung der Böschungen könnten Trockenmauern (Gabionen) zum Einsatz kommen. Staudengerahmte Stufen würden die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Niveaus herstellen. Der Baumbestand der Hanglage könnte in Teilen erhalten bleiben und zur Beschattung dienen. Auf diese Weise als auch durch Wiederinbetriebnahme der Dachterrasse würde das bestehende Eingangsgebäude als Solitär gestärkt.

Das Projekt Freibad Hoffnungsthal ist mit Hilfe von emotionaler Gestaltung (Ambiente, Pflanzen) und geometrischer Gliederung weiter zu entwickeln und auszuarbeiten. Eine dauerhaft gültige Wohlfühlatmosphäre, geprägt durch einen mediterranen Geist, soll zu wiederholten Besuchen und somit zu der für den wirtschaftlichen Erfolg erforderlichen Identifikation des Badegastes mit dem Freibad Hoffnungsthal führen.


Bauliche Umsetzung
Die Sanierung / Modernisierung des Freibades Hoffnungsthal soll, wie beschrieben, in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Die Umsetzung des 1. Bauabschnittes ist mit Baubeginn Mitte August 2007 sowie Fertigstellung / Wiederinbetriebnahme des Bades Mitte Mai 2008 vorgesehen. Hierfür sind bereits im Wirtschaftsplan 2007 der StadtWerke Investitionsmittel in Höhe von 3,0 Mio. € bereitgestellt.

Die Umsetzung der weiteren Bauabschnitte mit entsprechendem Planungsvorlauf wird erst dann aufgenommen, wenn die Auswirkungen des 1. Bauabschnitts abschließend bekannt und verarbeitet sind. Hierfür sind in den Planjahren 2010 ff weitere Investitionsmittel in Höhe von 0,9 Mio. vorgesehen.

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